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Surge

Surge

"Surge" ist ein Begriff aus dem Altdeutschen (wurde also früher im gesamtdeutschen Raum benutzt) und wird auch heute noch vereinzelt in ländlichen Gegenden gebraucht (hauptsächlich von älteren Angehörigen bäuerlicher Betriebe), auch sehr gerne in poetischen Texten/Liedtexten. Der Begriff bezeichnet ganz klar das weibliche erwachsene Schwein, also "Sau".

"Surge" wie auch "Sau" wird auch umgangssprachlich gebraucht bei unreinlichen Menschen oder bei solchen, die sich anstößig, unflätig, ekelig, schlecht benehmen.

"Der/die benimmt sich wie eine Sau/Surge"

"Der/die suhlt sich im Dreck wie eine Sau/Surge"

Warum "Surge" jetzt auch noch benutzt wird im Zusammenhang mit "sich anstellen", weiß ich nicht. Habe das in dem Zusammenhang noch nicht gehört. Kann mir nur denken_scheisst), dass ein Schwein bei Schmerzen ja auch immer laut schreit/qiekt. "Der/die schreit wie am Spieß" "Der/die schreit wie eine Sau"... Ein Mensch, der sich über Schmerzen beklagt, ist daher wohl weniger weinerlich. Er macht eher einfach viel Geschrei darum. Die Sauen/Surgen müssen ja sowieso immer für alles herhalten: dreckig wie Sau; blutet wie Sau; laut wie Sau, stinkt wie Sau, etc...

Daher ist "Sau" oder "Surge" heutzutage auch fast immer negativ belegt. Was kann das arme Schwein dafür? :-)

User female 48 Regine (Nordrhein-Westfalen) vor 10 Jahren
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Nicht nur in poetischen Texten/Liedtexten wird die Sau/Surge "verwurschtet", sondern auch in Skulpturen. Bei der 'Judensau' zum Beispiel handelt es sich um Skulpturen, die Juden in Verbindung mit einer Sau darstellen. Dieses Ensemble findet sich vornehmlich an oder in Kirchen und datiert vom 13. bis 16.Jahrhundert. Eine sexuelle Metaphorik sieht sich angedeutet, wenn der Jude auf einer Sau reitet, was an den Bocksritt der Hexen gemahnt. Bei der frühesten Darstellung des saureitenden Juden, einer Reliefschnitzerei am Chorgestühl des Erfurter Doms - das aus den Jahren zwischen 1349 und 1372 stammt - stehen sich christlicher Ritter mit Schild und Lanze und saureitender Jude mit Spitzhelm gegenüber. Der Ritter sticht den Juden von der Surge/Sau. Unter dem Sockel des Reliefs jagt der Hund den fliehenden Hasen - Symbol des Kampfes zwischen Christentum und Judentum. Die Erfurter Judensau steht im Zusammenhang mit der Erfurter Judenverfolgung von 1349. Sprachwissenschaftlich interessant ist die Legende auf einem Spruchband, das einem frühen Holzschnitt aus der ersten Hälfte des 15. Jh. beigegeben ist. Hier sitzt ein junger Jude rittlings auf der Surge/Sau, hebt den Schwanz und saugt, ein zweiter deutet mit der Rechten zum Rektum und spitzt die Zunge. Das Spruchband erläutert das Motiv mit den Worten: "Sug liber bruder hartz, so bloß ich ir in der arß". Diese Formel ist ein Vorläufer des Götz-Zitats "Leck mich am Arsch". Erfunden hat Goethe das Götz-Zitat nicht und es reicht tief in die Geschichte hinab. Gisbört vor 10 Jahren
@Gisbört: boah, welch garstig Wort in meiner Gegenwart ;-) Aber nee, wirklich, das ist ja richtig interessant. Da hat der Klerus also schon recht früh anschaulich das ungeliebte Judentum mit der 'unsauberen' Sau gekoppelt und dargestellt und mit solch einer Symbolik auch das ach so unreine Sexuelle auf die Juden verlagert, die wahrscheinlich eh Synonym und Schuldige für alles vermeintlich Schlechte waren. Sehr interessant, so speziell reichen meine Kenntnisse bei weitem nicht, alles eher Halbwissen. Toller Kommentar! :-) Regine vor 10 Jahren
*LOL* Des freut mich ja saumäßig! Dankeschön! ;-)) Der Klerus war ziemlich kreativ, um die Juden mit dem Schmähmotiv der Judensau zu demütigen: Beim Neubau einer Kirche im Dorf Emmelsbüll wurden Steine des um 1200 entstandenen Vorgängerbaus wiederverwendet. Einer dieser Steine, ein jetzt als Trittstein benutzter Granitquader im Eingangsbereich, enthält eine deutlich ein Schwein darstellende Ritzzeichnung. Unter dem Schwein sind zwei kauernde Strichmännchen erkennbar, wobei die Verbindungsstriche zwischen dem Unterleib der Sau/Surge und den Köpfen der Männchen den die Juden charakterisiernden Spitzhut stilisieren. Sinn und Zweck war es, den Juden die gesteigerte Schmach anzutun, mit christlichen Füßen betreten zu werden. Surge - ein sehr interessanter Begriff auf MM, Regine! ;-) Gisbört vor 10 Jahren
Ich sach auch ein herzliches und freudiges Dankeschön für das Voting!! :) Also, hast du irgendwie beruflich mit sakralen Bauten zu tun oder sonstwas Historischem oder jüdisch-Speziellem?? Bin sehr beeindruckt von deinem Hintergrundwissen. Jaja, die Christen... ich weiß schon, warum ich nicht mehr in diesem Club bin. Höchst interessant, Gisbört ;) Regine vor 10 Jahren
*LOOL* Nein, nein, nichts dergleichen, Regine. Ich komm' eher so aus der halbweltlichen Ecke "Referee-Coaching im Sportwettenbereich".... ;-)) Gisbört vor 10 Jahren
...aah, ok! Extreme Luftschnapping und so ;)) Naja, ich mag ja auch lieber Leute, die sich mit Edding schminken. Aber hätt' mich schon mal interessiert, so in echt. Ist ja nicht oft, dass sich einer mit den perfiden Christen und Surgen so gut auskennt. Mönsch Gisbört. ;-) Regine vor 10 Jahren

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spöttisch-abwertendender Ruhrgebietsausdruck für einen weinerlichen, empfindlichen Menschen

Dialog aus dem Film "Bang Boom Bang" :

Keek (Oliver Korittke) : "Ich glaub du hast mir eine Rippe gebrochen!" Kalle Grabowski (Ralf Richter) : "Stell Dich nicht an wie so ´ne alte Surge!"

User male 48 Johnny park (Nordrhein-Westfalen) vor 12 Jahren
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Ich kenne das ehr für einen ungepflegten Menschen, Surge gleich Sau Ausnahmepunk vor 12 Jahren
Ich kenne das auch nur als Ferkel oder Sau Dergesalbte vor 12 Jahren
Der Begriff "Surge" ist nicht ein Begriff aus dem Ruhrgebiet und ist auch keinesfalls so schwammig zu erklären mit weinerlichem Menschen, nur weil irgendein Ruhrgebietsdarsteller den mal in einem eher untypischen Kontext gebraucht hat. "Surge" kommt aus dem Altdeutschen (wurde also früher im gesamtdeutschen Raum benutzt) und wird auch heute noch in ländlichen Gegenden gebraucht (hauptsächlich von älteren Angehörigen bäuerlicher Betriebe). Findet sehr gerne auch Verwendung in poetischen Texten/Liedtexten. Der Begriff bezeichnet ganz klar "Sau", also das weibliche erwachsene Schwein. "Surge" wie auch "Sau" wird heute umgangssprachlich gebraucht bei unreinlichen Menschen. "Der/die benimmt sich wie eine Sau" "Der/die suhlt sich im Dreck wie eine Surge" Warum "Surge" jetzt auch noch benutzt wird im Zusammenhang mit "sich anstellen", weiß ich nicht. Habe das in dem Zusammenhang noch nicht gehört. Kann mir nur denken, dass ein Schwein bei Schmerzen ja auch immer laut schreit/qiekt. "Der/die schreit wie am Spieß" "Der/die schreit wie eine Sau"... Ein Mensch, der sich über Schmerzen beklagt, ist daher wohl weniger weinerlich. Er mach eher einfach viel Geschrei darum. Die Sauen müssen ja sowieso immer für alles herhalten: Hier ist es dreckig wie Sau, der/die blutet wie Sau, hier ist es laut wie Sau, stinkt wie Sau, etc... Daher ist "Sau" oder "Surge" heutzutage auch fast immer negativ belegt. Was kann das arme Schwein dafür? :-) Regine vor 10 Jahren
@ Regine: Saugeiler Kommentar!!!! ;-)) Gisbört vor 10 Jahren
@ Gisbört: Saugeil? Das wär ja mal ein Beispiel für 'ne positive Belegung ;-) Regine vor 10 Jahren