Sekretant
So lässt es sich gut leiden

So lässt es sich gut leiden

Der Spruch (in Anlehnung an: "So lässt es sich gut leben") steht für den "Sekundären Krankheitsgewinn". Als solchen bezeichnet man Vorteile, welche real (oder auch eingebildete) Kranke aus ihrem Leiden ziehen: Zuwendung, Umsorgung, Privilegien... Manch einer will gar nicht gesund werden, damit ihm all das nicht abgeht. Der Jammernde erhofft sich zudem durch sein Tun oft bewusst oder unbewusst einen Preisnachlass in Bezug auf seine Verantwortlichkeit. D.h., er will mit der Bärmelei bei seiner Umwelt ein Nachsehen für seine Passivität erwirken und braucht so seinen Hintern nicht hochzukriegen, um irgendwelche Veränderungen herbeizuführen: "Ich kann ja nicht, weil..." Nicht können heißt, nicht wollen.

Das durchzieht alle Altersklassen. Während bei Jüngeren Krankheit i.d.R. eine temporäre Ausnahmesituation ist, schlachten betagtere Menschen ihre altersbedingten Dauer-Unzulänglichkeiten gerne aus. So oder so warten Betreffende nur darauf, nach ihrem Befinden gefragt zu werden und ein "Wie geht's" wird dann mit der Litanei einer pathologisch behafteten Vita quittiert.

In Extremfällen und nicht selten läuft das auf Basis moralischer Erpressung ab, um andere an sich zu binden. Erkennt der Umsorgende dies nicht oder ist er nicht imstande, sich auf einen gesunden Abstand zu entziehen, unterstützt er das Ganze noch und fördert eine Co-Abhängigkeit. Pflegender und Kranker blockieren sich dabei gegenseitig die Möglichkeit auf Entwicklung. So lässt es sich gut leiden - zumindest für den Kranken. Und auch nur scheinbar.

Schon der alte Busch (der weise Willi) hatte dazu passende Worte:

Denkst du dieses alte Spiel Immer wieder aufzuführen ? Willst du denn mein Mitgefühl Stets durch Tränen ausprobieren?

Oder möchtest du vielleicht Mir des Tanzes Lust versalzen ? Früher hast du's oft erreicht; Heute werd ich weiter walzen.

User female 48 Regine (Nordrhein-Westfalen) vor 9 Jahren
Trend 128
Trend 128
Höhö, das kenn ich. Ich arme Wurst kann doch nicht.. Die Hypochondrie schlägt Purzelbäume Mibu vor 9 Jahren
Sehr fein!! Dafür erstmal fünf! ABER jeweils auch platonische fünf für: Preisnachlass in Bezug auf seine Verantwortlichkeit Bärmelei Das ist einfach nur gut!!! Johnny_g. vor 9 Jahren
Ja, ich kenn' sowas auch. Da wurde sogar der vorgezogene Ruhestand 'rausgeschlagen. Oder dass Umstehende derart gepolt sind, dass sie Hemmungen haben, zu ihren eigenen Bedürfnissen zu stehen, weil sich das nicht gehört und dem Leidenden hinten angestellt werden muss. Wobei Hypochondrie meines Wissens nach keine kalkulierte Sache ist, sondern die Betroffenen eher in einer Zwangsneurose stecken. Regine vor 9 Jahren
Danke schön, Johnny! Da fühl' ich mich zurückversetzt in die Grundschulzeit. "Sehr fein" hatte mein damaliger Klassenlehrer auch ins Hausaufgaben-Heft geschrieben. :-) Regine vor 9 Jahren
"pathologisch behaftete Vita"!! LOL...du bist ja echt in Höchstform...geil!! Johnny_g. vor 9 Jahren
das kenn ich anders.. Jeden Tag ein neues Wehwehchen um Mitleid?, Aufmerksamkeit? zu bekommen. Nach jedem Gesundheitsmagazin Praxis, waren die vorgestellten Krankheiten sofort präsent. Man nannte das damals schon Mol'sche Kankheit. Die Medizinmänner hatten am Tag nach der Sendung viel zu tun Mibu vor 9 Jahren
:-)) Ja, das stimmt auch wieder, Mibu! "Gesundheitsmagazin Praxis" hat mit dem Medicus bestimmt gemeinsame Sache gemacht. Zuviel der Ehre, Johnny! Freut mich, dass es dir gefällt! :-) Regine vor 9 Jahren
Ja schon witzig dieser sekundäre Krankeitsgewinn, vor allen Dingen bei Kindern dessen Eltern es schlecht behandeln (in Form von zu wenig Aufmerksamkeit, Anerkennung, Fürsorge, Liebe und die z.B. chronische Schmerzsymptome wie Bauchschmerzen oder auch besonders beliebt Essstörungen enwtickeln), Achtung Ironie!!! Bitte mit der Verwendung von diesem psychologischen feststehenden Fachbegriff etwas sorgsamer umgehen! Mel4164 vor 7 Jahren