Trend 128 Gerade im Trend: anpimmeln
Hip sein wollen, aber den Jägerzaun im Kopf haben!

Hip sein wollen, aber den Jägerzaun im Kopf haben!

Wir sind so einmalig in unserem Tun, in unseren Entscheidungen und merken gar nicht, daß es alle anderen auch sind!

Jedem, der halbwegs hip unterwegs zu sein glaubt, entgeht jedoch - egal ob’s im Hamburger Schanzenviertel, Münchener Glockenbachviertel oder Berlin Mitte ist –, daß viele

eine riesige Nerdbrille tragen, Mini fahren, im Ayurveda-Restaurant einen Platz reservieren, Männer 80er-Jahre Frisuren und Outdoor-Jacken tragen, mit denen sie den Mount-Everst besteigen könnten, Frauen sich niedliche Zöpfchen flechten und in Biosupermärkten einkaufen, während der Alte daheim den neuen Manufactum-Katalog voller Freude studiert.

Wir suchen nach Schubladen, in die wir passen – der Punk ebenso wie der Veganer. Aber haben denn diese LOHAS-YINDIE-BOBO-SKIPPIE-DINKS-YUPPIE-Spießer noch nicht gecheckt, daß unsere Individualität längst ein Massenphänomen geworden ist? Wollen hip sein, haben aber den Jägerzaun im Kopf! (Jägerzaun steht – so ähnlich wie der Gartenzwerg – für den Inbegriff an Spießigkeit).

Fritz-Kevin: "Bevor die Brunhilda ihren Ole-Lakshmi im Bugaboo-Kinderwagenerwagen) in den Kindergartenergarten) schiebt, schlürft sie noch 'ne Bionade im Mutter-Kind-Café."

Klaus-Bärbel: LOL "Ja, und als sie Ole-Lakshmi am Nachmittag wieder abholen wollte, rief sie nach ihm und wunderte sich, warum sich 5 Kinder gleichzeitig auf diesen sozial unverträglichen Namen umdrehten!"

Fritz-Kevin: "Jo, typisch! Hip sein wollen, aber den Jägerzaun im Kopf haben!"

User male 48 Gisbört (Bayern) vor 9 Jahren
Trend 128
Trend 128
Gut geschossen, Mister Coolhunter :-) Regine vor 9 Jahren
Jupp, erinnert mich an die Arschgeweih-Welle - auf deren Höhepunkt waren die Untattoowierten fast cooler, weil sie in der Minderheit waren. Im Freibad dachte ich ständig, was mache ich nur im Wildpark Schwarze Berge. Gehmbeu vor 9 Jahren
Jo, Tim. Ein Spruch sagt: "Man erkennt einen Menschen an der Mode, die er mitmacht." Aber suchen wir wirklich nach Schubladen, Gisbört? Das "Wir" in den Ausführungen widerstrebt mir etwas, da generalisierend. Das Motiv ist entscheidend, selbst beim Griff zu bestimmten Trendströmungen. Weil's hip ist? Hier führt in der Tat schon der Ansatz des Gedankens zurück ins Uncoole. Weil's mir gefällt? Da setzt sich der Naturcoole über den Jägerzaun hinweg. Regine vor 9 Jahren
Tim Greifer: "Jupp, erinnert mich an die Arschgeweih-Welle – auf deren Höhepunkt waren die Untattoowierten fast cooler, weil sie in der Minderheit waren." Perfekt erfaßt. Ich habe zwar keinen Jägerzaun; es ist aber Tatsache, daß gisbört den "Jägerzaun" in Mißkredit mit diesem Eintrage bringt - so wie vorher bereits in anderem Beitrage den "Wackeldackel"! Da kann er nur hoffen, daß ihn die "Anonymen Holzfäller und Jäger mit Dackel" nicht behelligen. ;-) Geisenau vor 9 Jahren
Der "Wackeldackel" steht hier als Trotzanschaffung. Mit der jahrzehntealten Wayfarer wurde man vor Jahren als "unzeitgemäß" bezeichnet. Heute rennt jeder Fuzzi damit rum. Nach der Zechenschließung war man stolz, aus Papas Büro die Christian Dell 6631 gerettet zu haben ("Kind, was willst du denn mit der alten Lampe"). Heute schmeißt Fritz Hansen Replikate für 670 Laschen auf den Markt. Etwas verdrießlich doch, wenn der Trend einen kalt erwischt und langgehegte Schätze dann nicht mehr so einzigartig sind. Regine vor 9 Jahren
Zitat Regine: *"Aber suchen wir wirklich nach Schubladen, Gisbört? Das "Wir" in den Ausführungen widerstrebt mir etwas, da generalisierend."* Ich meinte damit eher, daß wir den klugen Marketingstrategien auf dem Leim gehen. Die Warenwelt herrscht über uns und verspricht: Individualität! Das Phänomen vom eingeimpften Individualismus zieht sich freilich durch alle Gesellschaftsschichten, denn die Werbestrategen sind schlau: Sie haben die Warenwelt für die Wenigverdiener ebenso bereitet wie für die bürgerliche Schicht oder die Superreichen! Jeder findet das Passende für sich. Letztlich is' das ja alles zutiefst menschlich, denn wir suchen ja alle irgendwie in Schubladen, in die wir passen, od'rr net?! In diesem Zusammenhang sollte ich vielleicht den in der Begriffserklärung aufgetauchten Bandwurmterminus *LOHAS-YINDIE-BOBO-SKIPPIE-DINKS-YUPPIE-Spießer* zwecks besserem Verständnis kurz näher erläutern: *LOHAS* = Lifestyle of health and sustainability (gesundes, nachhaltiges Leben) *YINDIE* = Young and independent (meist mit gutem Einkommen) *BOBO* = Bourgeois bohemien (bürgerlicher Bohemien, der sich um seine Zukunft wenig Gedanken machen muß) *SKIPPIE* = School kids with income and purchase power (Schüler mit Einkommen und Kaufkraft, die besonders im Fokus der Werbestrategen sind) *DINKS* = Double income, no kids (die Kaufkräftigen mit doppeltem Gehalt und ohne Kinder) *Yuppie* = Young urban professional (der junge, berufstätige Städter) *WOOF* = Well off older Folk (wohlhabende ältere Menschen) *Spießer* = kleingistige Leute mit zurückgebliebenen Wertvorstellungen. In der Zone hingegen kannte man diese ganzen Geschichten früher nicht - da war Gleichmacherei angesagt: Vom Auto bis hin zum selben FDJ-Outfit, Kücheneinrichtung, Leiterschrankwand, Plattenbauten (sogenannte sozialistische Zuchtbauten des 'Neuen Menschen' bzw. Arbeiterschließfächer), Frisuren, Einheitsdesign bei Warenumverpackungen etc. *Da war nix mit hip, sondern nur 'Jägerzaun'!* Gisbört vor 9 Jahren
Sehr ausführlich ausgeführt :-) - danke, Gisbört. Du hast sicherlich Recht beim Ziehen der Register "Freie Marktwirtschaft" und "Sozialistische Oktroyierung". Wobei mit "Jägerzaun" oben in deiner Wendung wohl das bewusste oder unbewusste Schubladendenken innerhalb der Wahlmöglichkeiten gemeint ist, während der sozialistische "Jägerzaun" in deinem vorgegangenen Kommentar ein überstülpter gewesen ist. So mancher hätte sich dem wahrscheinlich gerne entzogen. Dass wir uns dem Wust, mit dem die Warenwelt uns zuschüttet, nicht immer entziehen können, ist wohl wahr. Dennoch geht mein Einwand gegen das "Wir" dahin, dass es auch solche gibt, die sich nicht so einfach einfangen lassen und Anschaffungen nicht nach dem Kriterium "Hip" tätigen. Im Gegenteil sogar eine Abwehrhaltung gegen Werbestrategien entwickelt haben und Kaufentscheidungen eher intuitiv treffen. Einfach, weil eine Sache gefällt. Da gehen dann alle Anbieter leer aus, eben weil sie nur topaktuelle Trendwaren gelistet haben und alle Prospekte oder Werbetrailer schaffen es nicht, den Dernier Crie als solchen schmackhaft zu machen, weil es einfach dem eigenen Stil nicht gerecht wird. Wenn in allen Lederwarengeschäften die selbe Chose angeboten wird, macht dann nach langem Suchen holländische handgefertigte Ware das Rennen, weil die den eigenen Vorstellungen entspricht. Es entsteht schonmal ein selbstgeschneidertes Kleidungsstück an der häuslichen Nähmaschine oder Möbel werden eigenhändig umgestaltet. Ich weiß nicht, inwieweit dann von der Suche nach einer Schublade die Rede sein kann. Unbewusst? Man ist wie man ist. Sucht sich die Dinge aus, an denen man Freude hat, oder die Leute, mit denen man menschlich in Kontakt stehen möchte. Manufactum ist übrigens teilweise nicht uninteressant und von hier auch schnell erreichbar. :-) Aber dies nur als kleiner Einwurf (naja, klein - sorry) zum generalisierenden Charakter der Eintragsaussage, die sicher auf Viele zutrifft. Regine vor 9 Jahren
»Hipness is not a state of mind, it's a fact of life ...« Cannonball Adderley, Live in New York (Ansage im Village Vanguard, Januar 1962) Herr_cooles vor 9 Jahren
Der hat's mit einem Satz auf (s)einen Standpunkt gebracht. Und manchmal fragt man sich, was das Ganze überhaupt soll. Regine vor 9 Jahren
Hat jeder so sein Ding. Egal was, fast jeder schwimmt auf dieser entsprechenden Welle. Bad boy vor 8 Jahren