Perfektionisten-Paralyse

Perfektionisten-Paralyse

Eine Perfektionistin - und hier bevorzugen wir die weibliche Form, denn nach aller Lebenserfahrungserfahrung) gibt es weitaus mehr weibliche als männliche Perfektionisten - ist eine Person, die den Perfektionismus zur Lebensformsform) erhoben hat. Sie wird alles tun, um in ihrem Leben stets Vollkommenheit durch ein übertriebenes Streben nach Perfektion zu erreichen. Dass diese Person natürlich auch versucht, jeden potentiellen Fehler schon im Voraus zu vermeiden, liegt in der Natur der Sache. Bei einer echten, in der Wolle gefärbten Perfektionistin hat der Perfektionismus gar den Status einer Religion.

Das kann so weit gehen, dass dieses schon von vornherein angelegte Streben nach Vollkommenheit eine Lähmung hervorruft, eben die sogenannte Perfektionisten-Paralyse. So kommt es oft vor, dass die Arbeiten an Aufgaben, Vorhaben, Anordnungen oder Projekten gar nicht erst begonnen, geschweige denn abgeschlossen werden. Eben nicht aus Faulheit, sondern weil hier eine Perfektionistin am Werke ist, besser am Werke sein sollte. Hier ist dann angesichts der Aufgabe eine vollständige Lähmung wichtiger Körperregionen - das können ganze Muskelgruppen sein oder sogar das Gehirn - eingetretenwieeineeingetreteneKellertuer). Als nicht Betroffener kann man sich die Leiden einer solchen Person kaum vorstellen: Man weiß genau, wie es geht, wie es sein müsste, wie es aussehen müsste, wenn es fertig ist, aber leider, leider bekommt man es nicht gebacken.

Anke-Elke: Sag mal, ist denn die Silke schon fertig mit ihrem Buchprojekt?

Heike-Meile: Nein, überhaupt nicht. Sie hat noch nicht einmal damit angefangen. Sie hat mir gesagt, dass sie Tag für Tag vor einem völlig leeren Bildschirm sitzt. Sie leidet so sehr! Sie sagt, sie hätte eine Schreibblockade.

Anke-Elke: Quatsch, Schreibblockade. Das ist ganz einfach erklärt: Die Frau ist krank, sie hat Perfektionisten-Paralyse.

User male 48 Fisch von bek (Hamburg) vor 3 Jahren
Trend 128
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Hehe, auch 'n netter Begriff für das Phänomen, interessante Milieustudien. ^^ Die "Starre vor dem leeren weißen Blatt" ist im Kunstwesen nicht unbekannt. Die Crux liegt in dem Schlüsselsatz, dass eine betroffene "Person natürlich auch versucht, jeden potentiellen Fehler schon im Voraus zu vermeiden". Sehr wohl ist im Vorfeld ein gedanklich konstruierter Ansatz, ein richtungsgebendes Konzept, geboten. Aber dann sollte es praktisch einfach losgehen. Es ist nicht zielführend und nicht möglich, bei einem Kaffee herumsinnierend alles bis ins letzte Detail planen zu wollen, da sich oft Dinge erst im schaffenden Prozess ergeben. Ob diese dann als "Fehler" zu erachten sind, liegt wohl im Auge des Betrachters. Man kann oder besser sollte das als spannende Komponente sehen, welche Kreativität fördert. Und wenn dem weißen Blatt die Leere genommen wurde durch zig wieder wegradierte Ansätze bis hin zum fertigen Werk, kann man schließlich anhand der "Kampfspuren zufrieden sehen, wie sehr man sich daran abgemüht hat. Da darf dann gern auch ein Fingerabdruck dabei sein... Regine vor 3 Jahren
OVERTHINKING is the biggest cause of unhappiness. Wollte ich noch gesagt haben... Regine vor 3 Jahren